Kommunale Wärmeplanung für Herscheid: Erste Ergebnisse vorgestellt
Wie kann die Wärmeversorgung in Herscheid langfristig klimafreundlich, zuverlässig und bezahlbar gestaltet werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Gemeinde im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung.
Heizen, duschen, warmes Wasser: All das braucht Wärme – und die stammt heute oft noch aus Öl oder Gas. Doch fossile Energien sind nicht nur teuer und endlich, sie belasten auch das Klima. Deshalb hat sich die Gemeinde Herscheid auf den Weg in Richtung nachhaltiger Energieversorgung und Transformation der Wärmeversorgung gemacht – eine große Herausforderung.
Storymap zum aktuellen Stand
In der letzten Sitzung des Umweltausschusses wurde der aktuelle Planungsstand durch Christina Spiegel vom Institut für nachhaltige Energieversorgung vorgestellt. Die Arbeiten am Wärmeplanungskonzept sind inzwischen etwa zur Hälfte abgeschlossen. Anfang 2027 sollen diese fertiggestellt werden.
Diese StoryMap führt Bürgerinnen und Bürger Schritt für Schritt durch den Wärmeplanungsprozess der Gemeinde Herscheid: Von der systematischen Analyse des aktuellen Wärmebedarfs über die Ermittlung von Potenzialen für erneuerbare Wärmequellen bis hin zur Entwicklung einer Umsetzungsstrategie und konkreter Maßnahmen. Sie wird laufend um die aktuellen Ergebnisse aktualisiert.
Wie wird in Herscheid heute geheizt?
Die Bestandsanalyse zeigt: Wärme macht in Herscheid rund die Hälfte des gesamten Energieverbrauchs aus. Bei der Wärmeversorgung spielt Erdgas derzeit die größte Rolle. Daneben werden insbesondere Heizöl und Biomasse eingesetzt. Wärmepumpen haben aktuell einen Anteil von rund 2,6 Prozent.
Rund 80 Prozent des Wärmeverbrauchs entfallen auf private Haushalte. Gewerbe und Dienstleistungen sowie Industrie machen weitere wesentliche Anteile aus. Die kommunalen Gebäude haben mit rund 2,9 Prozent nur einen vergleichsweise kleinen Anteil am gesamten Wärmeverbrauch.
Die Auswertung basiert im Wesentlichen auf Daten aus den Jahren 2023- 2025, wie Christina Spiegel erklärt. Verwendet wurden unter anderem Daten zu Gebäuden und Baualtersklassen, Verbrauchsdaten, sowie Angaben der Energieversorger und weitere öffentlich verfügbare Daten wie dem Zensus. Die Ergebnisse werden auf größere Gebiete zusammengefasst und erlauben daher keine Aussage darüber, welche Heizung für ein einzelnes Gebäude geeignet ist.
Welche Möglichkeiten bietet Herscheid?
Im Rahmen der Potenzialanalyse wurden verschiedene Möglichkeiten für eine zukünftige Wärmeversorgung untersucht.
Besonders groß ist das Potenzial der Photovoltaik auf den vorhandenen Dachflächen. Bei einer angenommenen Belegung von rund 40 Prozent der geeigneten Dachflächen könnten bis zu rund 9.840 Megawattstunden Strom pro Jahr erzeugt werden.
Auch Biomasse spielt in Herscheid bereits heute eine wichtige Rolle. Untersucht wurden unter anderem Potenziale aus Waldflächen und landwirtschaftlichen Flächen. Das theoretische Potenzial muss dabei immer im Zusammenhang mit anderen Nutzungen und den tatsächlichen Möglichkeiten der Umsetzung betrachtet werden.
Weitere Untersuchungen betreffen Wärmepumpen, Umweltwärme, Solarthermie und Geothermie. Dabei zeigen sich je nach Ortsteil und Siedlungsstruktur unterschiedliche Voraussetzungen.
Eine wichtige Erkenntnis der bisherigen Untersuchung ist außerdem, dass die Voraussetzungen für Wärmenetze nicht überall gleich sind. Ein Wärmenetz ist ein gemeinsames Heizsystem für mehrere Gebäude. Dabei wird Wärme zentral erzeugt und über gedämmte Leitungen zu Häusern, Wohnungen oder anderen Gebäuden transportiert. Dort wird die Wärme zum Beispiel für Heizung und warmes Wasser genutzt.
Dichter bebaute Bereiche (Ortskern, Hüinghausen, Friedlin) mit einem hohen Wärmebedarf können grundsätzlich also interessanter für ein solches Wärmenetz sein als kleinere, verstreut liegende Ortsteile.
Was bedeutet die Wärmeplanung für Hauseigentümer?
Die kommunale Wärmeplanung legt nicht fest, welche Heizung ein einzelner Hauseigentümer einbauen muss. Sie ist zunächst eine strategische Planung für das gesamte Gemeindegebiet.
Im weiteren Verlauf soll für verschiedene Bereiche Herscheids untersucht werden, welche Form der Wärmeversorgung dort langfristig am sinnvollsten beziehungsweise voraussichtlich möglich ist. Dabei kommen beispielsweise eine zentrale Versorgung über ein Wärmenetz oder eine dezentrale Versorgung einzelner Gebäude infrage.
Für einzelne Gebiete, in denen ein Wärmenetz grundsätzlich in Betracht kommt, sollen im nächsten Schritt genauere Untersuchungen durchgeführt werden. Dabei werden unter anderem Wärmebedarf, mögliche Wärmequellen, die vorhandene Infrastruktur und die wirtschaftlichen Voraussetzungen betrachtet.
Wie geht es weiter?
In den kommenden Monaten werden die Potenziale weiter ausgewertet und mögliche Wärmenetzgebiete genauer untersucht. Daraus soll schließlich eine Gebietseinteilung und eine Wärmewendestrategie für Herscheid entstehen.
Die Ergebnisse sollen außerdem für Bürgerinnen und Bürger verständlich und interaktiv aufbereitet werden. Eine digitale Darstellung soll es ermöglichen, sich über den Stand der Wärmeplanung und die Entwicklungen in Herscheid zu informieren. (Hier geht es zur Storymap)
Bürgerinformation am 26. November
Die Gemeinde möchte die Bürgerinnen und Bürger frühzeitig über die kommunale Wärmeplanung informieren und Fragen aus der Bevölkerung aufnehmen.
Am 26. November findet deshalb eine Bürgerinformationsveranstaltung zur kommunalen Wärmeplanung statt.
Dabei werden die bisherigen Ergebnisse vorgestellt und erläutert. Im Mittelpunkt stehen insbesondere die Fragen:
- Wie wird heute in Herscheid geheizt?
- Welche erneuerbaren Energiepotenziale gibt es vor Ort?
- Wo könnten Wärmenetze grundsätzlich eine Rolle spielen?
- Welche Möglichkeiten gibt es für kleinere Ortsteile und Einzelgebäude?
- Was bedeutet die Wärmeplanung für Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer?
- Welche nächsten Schritte sind nach Abschluss der Planung vorgesehen?
Die Gemeinde lädt alle interessierten Bürgerinnen und Bürger herzlich ein, sich zu informieren und ihre Fragen einzubringen.
Weitere Informationen zu Uhrzeit, Veranstaltungsort und Programm werden rechtzeitig unsere Kanäle und die Presse bekannt gegeben.