Weylands Botschaft zur abgesagten vorweihnachtliche Senioren-Feierstunde

Von Wolfgang Weyland

Heute, am 30. November 2021, sollte die Vorweihnachtliche Feierstunde der Gemeinde Herscheid für ältere Mitbürger stattfinden. Bereits vor Wochen endeten die Planungen, das Programm stand und Bürgermeister Uwe Schmalenbach und ich konnten die Vorfreude kaum verbergen, die Gäste in der wunderschönen, stilvollen Aula des neuen Bildungszentrums Rahlenberg empfangen zu dürfen. Die Atmosphäre des Raumes ist großartig. Sie hätte der Veranstaltung einen festlichen Rahmen verliehen. Doch wie im vergangenen Jahr, machen auch diesmal die zunehmenden Inzidenzwerte der Corona-Pandemie ein Treffen in dieser Größenordnung unmöglich. Was bleibt, ist die Erinnerung aber auch die Zuversicht auf bessere Zeiten. Blicken wir zurück und entzünden wir das Friedenslicht der Hoffnung für Zukünftiges.

Als  alles begann

Wir schreiben das Jahr 1968. Paul Gerhard Prolingheuer ist Rektor der Hauptschule sowie Leiter der VHS und des Altenkreises. Der Seniorentreff zeichnet sich durch ein lebhaftes Engagement aus, der bei den älteren Menschen eine hohe Akzeptanz genießt. Prolingheuer selbst ist eine ausdrucksstarke Persönlichkeit, verwurzelt im christlichen Glauben, eine Respektsperson im besten Sinne des Wortes. Er verkörpert den Nimbus eines stets geradlinigen, korrekten und pflichtbewussten Menschen. Sein Überzeugungs- und Durchsetzungsvermögen ist legendär, sein Ideenreichtum führt zu immer neuen Ufern  und seine Vitalität ist ungebrochen.

So wundert es nicht, dass unter seiner Führung eine "Vorweihnachtliche Feierstunde für ältere Bürger der Gemeinde Herscheid" im Altenkreis etabliert wird.  Als Termin ist der Dienstag nach dem 1. Advent "in Stein gemeißelt", um bei einem späteren Zeitpunkt nicht in den Sog des kommerziellen Weihnachtsrausches zu geraten.

Großer Zuspruch

Schnell wächst das Interesse der Menschen an der Feierstunde über den Altenkreis hinaus. Die Schulaula ist zu klein und so wird zunächst an zwei Tagen hintereinander gefeiert (1. Tag: Dorfbewohner, 2. Tag: Außenbezirke). Als schließlich der Zuspruch immer größer wird, siedelt man in die Schützenhalle um. Ein vollbesetztes Haus ist seitdem garantiert.

Noch heute erinnere ich mich mit Freude an meine Bürgermeisterzeit von 1979 bis 1994, als ich alljährlich Grußworte der Gemeinde an die Teilnehmer richten durfte. Dass mir später selbst die Organisation und Moderation zufallen würde, daran habe ich zu keinem Zeitpunkt gedacht.

1989 übernimmt Edmund Köster die Leitung des Altenkreises und damit auch die Aufgaben der vorweihnachtlichen Feierstunde. Anfänglich geschieht das zusammen mit Altbürgermeister Erwin Schöttler. Auch diese Zeit ist geprägt von der bewährten Struktur, die Teilnehmer auf das Hochfest der Christenheit einzustimmen. 

Würdiges Rahmenprogramm

Als ich 2003 Edmund Köster nachfolge, kann ich auf ein gut bestelltes Feld aufbauen. Das Rahmenprogramm  ist im Großen und Ganzen geblieben. Ergänzungen und Erneuerungen folgen im Wechsel. Zum festen Bestandteil gehören die Auftritte der örtlichen Gesangvereine, die heute ausschließlich vom "MGV Sängerbund 1892" Rärin mit Unterstützung des "MGV Holthausen" bestritten werden, da sich die anderen Chöre aufgelöst haben.

Auch der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Herscheid gehört zum "lebenden Inventar". Schüler und Kindergartenkinder erfreuen mit ihren Auftritten die Anwesenden und weitere örtliche Talente geben sich ein Stelldichein. Fest eingeplant sind auch die Pfarrer der Evangelischen und Katholischen Kirchengemeinde, die im jährlichen Wechsel das "Wort zum Advent" sprechen und der Bürgermeister richtet in seinem Grußwort den Blick auf das zu Ende gehende kommunale Jahr, verbunden mit den besten Weihnachts- und Neujahrswünschen. Mit im Boot die Konditorei Sirringhaus/ Wadulla, die die Kuchen-Kaffeetafel bestückt.

Besinnung auf die Weihnachtsbotschaft

Nicht zuletzt obliegt es mir, adventlich-weihnachtliche Erzählungen vorzutragen und durch den Nachmittag zu führen. Dazu wähle ich stets solche Geschichten aus, die der Weihnachtsbotschaft gerecht werden. Eine seichte, sentimental anmutende Winterromantik ist nicht mein Ding, denn  Weihnachten ist mehr als ein Fest zwischen Orgelklang und Gänsebraten."Weihnachten ist", wie es Peter Hahne (Journalist und Autor) formuliert: "der armselige Beginn einer perfekten Bot­schaft." Und: "Weihnachten ist kein Traum von  Stunden, sondern eine Kraftquelle für das ganze Leben."

Viele helfende Hände

Gern nehme ich an dieser Stelle die Gelegenheit wahr, allen zu danken, die hinter den Kulissen wirken. Zunächst sind es Mitarbeiter im Rathaus, die mit dem Versenden der Einladungen und Entgegennahme der Anmeldungen beschäftigt sind. Zu nennen sind die Männer des Bauhofes, die sich um die Bestuhlung und um die Dekoration der Bühne kümmern. Viele Jahre waren Mitglieder des Altenkreises mit mancherlei Aufgaben betreut, bis sie aus Altersgründen ausschieden und seitdem Angehörige der Senioren Union ihren Platz einnehmen. Mit dabei sind stets das Deutsche Rote Kreuz, die Freiwillige Feuerwehr und nicht zuletzt helfende Frauen aus dem Dorf und Rärin, die vollen Kücheneinsatz zeigen.

Zuversicht und Hoffnung

Wenn in diesem Jahr erneut die Vorweihnachtliche Feierstunde coronabedingt ausfällt, so ist das  ein Einschnitt in eine liebgewordene Tradition. Das normale Leben kann erst dann zurückkehren, wenn alle durch ihr Verhalten dazu beitragen. Hoffen wir auf ein friedvolles und von Zuversicht geprägtes Jahr 2022.

Die nachfolgende Kurzgeschichte, die ich für mein Schlusswort der Feierstunde vorgesehen hatte, kann in der momentanen Situation nicht treffender sein, ist Weihnachten doch auch das Friedenslicht der Hoffnung.

Vier Kerzen im Advent

Vier Kerzen brannten am Adventskranz. Es war ganz still. So still, dass man hörte, wie die Kerzen zu reden begannen.

Die erste Kerze seufzte und sagte:
"Ich heiße Frieden. Mein Licht leuchtet, aber die Menschen halten keinen Frieden, sie wollen mich nicht." Ihr Licht wurde immer kleiner und verlosch schließlich ganz.

Die zweite Kerze flackerte und sagte:
"Ich heiße Glauben. Aber ich bin überflüssig. Die Menschen wollen von Gott nichts wissen. Es hat keinen Sinn mehr, dass ich brenne." Ein Luftzug wehte durch den Raum und die zweite Kerze war aus.

Leise und sehr traurig meldete sich nun die dritte Kerze zu Wort.
"Ich heiße Liebe. Ich habe keine Kraft mehr zu brennen. Die Menschen stellen mich an die Seite. Sie sehen nur sich selbst und nicht die anderen, die sie lieb haben sollen.
Und mit einem letzten Aufflackern war auch dieses Licht ausgelöscht.

Da kam ein Kind in das Zimmer. Es schaute die Kerzen an und sagte: "Aber, aber, ihr sollt doch brennen und nicht aus sein!" Und es fing an zu weinen.

Doch da meldete sich auch die vierte Kerze zu Wort. Sie sagte:
"Hab keine Angst, denn ich heiße Hoffnung. Solange ich brenne, können wir auch die anderen Kerzen wieder anzünden!"

Voller Freude nahm das Kind diese Kerze und zündete mit ihrer Flamme auch die anderen Kerzen wieder an.

 

In diese Sinne gesegnete Weihnachten und ein gesundes, zufriedenes Jahr 2022.

Bleiben Sie behütet.

Wolfgang Weyland

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Coronatest: Möglichkeiten in Herscheid

Kostenlose Bürgertestungen werden aktuell vom DRK im Heim Im Uerp in Herscheid durchgeführt. Auch in Hüinghausen gibt es eine Schnellteststation, direkt an der Habbeler Straße.

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