Planungs- und Bauausschuss: Einzelhandelskonzept

Viele Themen standen am Montagabend im Bürgersaal auf der Tagesordnung der Planungs- und Bauausschusssitzung und es war schon im Vorfeld abzusehen, dass sicherlich an der ein oder anderen Stelle auch noch einmal Gesprächsbedarf besteht. Das hatte zur Folge, dass der öffentliche Teil erst nach gut drei Stunden beendet werden konnte. Zu Beginn der Sitzung wurde Dr. Wolfgang Haensch vom Planungsbüro CIMA aus Köln per Videostream zugeschaltet. Das Planungsbüro war seinerzeit schon mit der Erstellung des Gemeindeentwicklungskonzeptes beauftragt worden.

Das ehemalige Presswerkgelände im Februar 2021.

Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts

Dr. Haensch stellte dem Ausschuss die Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts von 2007 vor, die die Gemeinde im März 2020 in Auftrag gegeben hatte.

Er erklärte über die Leinwand, dass eine Fortschreibung notwendig geworden sei, da das „alte“ Konzept zum einen aus dem Jahr 2007 stamme und damit ziemlich veraltet sei. Hinzu kommt die bereits seit einigen Jahren veränderte Rechtslage auf Landesebene. Eine rechtssichere Grundlage stellt das vorliegende Konzept nicht mehr dar. Ferner haben sich wesentliche Veränderungen in den stadtentwicklungspolitischen Zielsetzungen der Gemeinde ergeben, die zu berücksichtigen sind. So sind die Dorfwiesen in dem Konzept 2007 noch als Entwicklungsfläche für den Einzelhandel planerisch dargestellt worden; diese wurden 2016 allerdings im Rahmen des Gemeindeentwicklungskonzeptes als Spiel- und Freizeitfläche entwickelt, was Dr. Haensch in der Sitzung begrüßte. Schließlich sei es auch für den Einzelhandel wichtig, dass sich die Gemeinde attraktiv halte.

Darüber hinaus bestehen konkrete Planungen zur Erweiterung des vorhandenen Raiffeisenmarktes am Mühlenweg von derzeit rund 700 auf 2000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Auch deshalb musste das Konzept fortgeschrieben werden.

Hier können Sie das Einzelhandelskonzept online einsehen.

Seit 2007 gibt es im Bezug auf den Einzelhandel einige größere Veränderungen im Ortskern zu verzeichnen: Von damals 35 Geschäften in 2007 sind nur 19 übriggeblieben. Diesen Rückgang bezeichnete Haensch als „alarmierend“. Schuld daran sei sicherlich auch der Einwohnerrückgang, den die Gemeinde seit 2007 zu verzeichnen habe, sowie auch die Möglichkeit, online zu kaufen.

Die Angebotspalette vor Ort sei also kleiner geworden. Besonders ins Gewicht falle hier die Schließung des ALDI-Marktes. Hinzu komme unter anderem der Wegfall von Blumen Fröhlich, der Rosen-Apotheke und weiterer Läden.

Im Rahmen der Erhebung 2007 wurden in Hüinghausen noch fünf Einzelhandelsbetriebe aufgenommen, von denen 2020 nur der Verkaufsshop der SHELL-Tankstelle und eine Gärt-nerei vorhanden sind. Hinzugekommen ist jedoch der Dorfladen Hüinghausen, ein ehrenamtlich betriebener Dorfladen. Haensch lobte dieses Projekt. 

„Offensichtlich stehen alle Einzelhandelsbetriebe in Herscheid unter einem besonderen Wettbewerbsdruck, der auf die besondere regionale Wettbewerbssituation mit den nahe gelegenen Mittelzentren Lüdenscheid und Plettenberg zurückzuführen ist“, erklärte Dr. Haensch. Statistisch gesehen geben die Herscheider in den umliegenden Städten jeden zweiten Euro für Nahrungs- und Genussmittel nämlich nicht in der Ebbegemeinde aus.

Aber nicht nur die Anzahl der Geschäfte, sondern auch bezüglich der Standorte hat sich etwas verändert: Der Einzelhandel im Gemeindezentrum konzentrierte sich früher ausschließlich im gewachsenen Ortszentrum entlang der Lüdenscheider Straße sowie deren Verlängerung, der Plettenberger Straße. Zwischenzeitlich hat sich der Schwerpunkt durch zwei vorhandene Lebensmittelanbieter (Rewe und Netto) in Richtung L 561 verschoben.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass sich das Angebot in Herscheid weitgehend auf die Nahversorgung der örtlichen Bevölkerung am Hauptort der Gemeinde und mit Einschränkungen in Hüinghausen bezieht. Aufgrund der Nähe zu Plettenberg bzw. Lüdenscheid wird es auch zukünftig kaum zu einem umfangreicheren Ausbau des Angebotes kommen, wie Heansch erklärte.

Vier Ziele stellte Haensch heraus, um die es sich in der Zukunft zu bemühen gilt:

- Die Sicherung der Nahversorgung als Grundfunktion eines Grundzentrums

- Die Festigung und Erhöhung der Kaufkraftbindung im Gemeindegebiet, insbesondere in den nahversorgungs- und zentrenrelevanten Sortimenten

- Die Konzentration der Einzelhandelsentwicklung auf das Gemeindezentrum, Bestandspflege der vorhandenen nahversorgungsrelevanten Angebote im Ortsteil Hüinghausen

- den Ausschluss von zentren- oder nahversorgungsrelevanten Einzelhandelsnutzungen in nicht-integrierten Lagen

Außerdem betonte Dr. Haensch, dass eine Ansiedlung eines Drogeriemarktes das Angebot sicherlich noch bereichern würde. In dem Zusammenhang wurde als optionale Fläche das ehemalige Presswerkgelände ins Spiel gebracht. Als Bürgermeister Uwe Schmalenbach erklärte dazu: „Es ist eine Wohnbebauung dort vorgesehen. Das schließt aber nicht aus, dass in dem Gebäudekomplex eventuell ein Einzelhandelsgeschäft, das der Versorgung des Gebietes dient, integriert werden könnte“.

Der Planungs- und Bauausschuss stimmte dem Entwurf der Fortschreibung letztendlich einstimmig zu. Die Öffentlichkeit und die Behörden sollen daran beteiligt werden.

Online gibt es das Konzept über diesen Link.