Kalenderblatt im März: Erinnerungen an das Gehöft Sterl

Im Monat März wird im Kalender „Herscheider Erinnerungen“ das Gehöft Sterl vorgestellt. Der Ort befindet sich zwischen Hüinghausen und Warbollen. Heutzutage stehen nur noch Obstbäume an dem Ort, an dem einst Herscheider lebten. Ein einzelnes Wohnhaus - weniger hundert Meter entfernt - ist noch am Sterl geblieben. Siegfried Schröder erinnert sich noch an die Tage in seiner Kindheit, an denen er auf dem Grundstück zu Besuch war. Fasziniert war er damals besonders von dem Brunnenturm mit Strohdach (s. Foto). Er sammelte einige Informationen über die Geschichte des Gehöfts, die er der Gemeinde zur Entstehung des Kalenders zur Verfügung stellte. Die historischen Fotos und die Ansichtskarte stammen von Familie Reinhardt.

Zwischen 1820 und 1850 entstanden mehrere Gehöfte in Einzellage, so auch der Sterl. Ein Stück Land diente der Selbstversorgung der Pächter, die im Forst oder der aufstrebenden Industrie ihr Brot verdienten.

Erbaut wurde das Haus vermutlich in den 1820er Jahren. Es wurde im Laufe der Jahre kaum verändert. Es fällt auf, dass es nahezu baugleich (Größe, Charakter, Raumaufteilung) ist mit einem heute noch bestehenden Haus in der Nachbarschaft "In der Schlade".

1935 kaufte der Lüdenscheider Zahnarzt Dr. Zerbst den verpachteten Kotten nach dem Tod des Vorbesitzers.

Auf dem Bild "Lotte schält Kartoffeln" von 1960 fällt der Brunnenturm mit Strohdach ins Auge. Die Bewohner zogen ihr Wasser mit einer Handwinde nach oben. An diese Szenen kann sich Siegfried Schröder noch gut erinnern. Früher lag bereits eine Rohrleitung zu einem entfernten, tiefer gelegenen Bach. Ein hydraulischer Widder pumpte Wasser zum Haus. Dieses System wurde mangels konstanter Ergiebigkeit in den 1930er Jahren aufgegeben.

Auf dem Foto ist ebenfalls die ehemalige Bewohnerin, Lotte Röder, zu sehen. Rechts am Haus sieht man das früher obligatorische Toilettenhäuschen. Auf dem Dach des Wohnhauses befindet sich eine Antenne für den Rundfunkempfang.

Das Haus war bis Anfang der 1970er Jahre bewohnt. Anders als bei selbstgenutztem Eigentum wechselten die Bewohner öfters. So lebten im 20. Jahrhundert  dort unter anderem die Familien Schulte, Gester, Kalle, Eick, Thier, Röder und Hölzig. Danach blieb das Gebäude über Jahrzehnte unbewohnt und wurde 2014 abgebrochen.

Siegfried Schröder sammelte ebenso einige Informationen über das noch bestehende Wohnhaus am Sterl: Etwa 1935 wurde das Fachwerkhaus als Wochenendquartier erbaut. Nach dem Weltkrieg wurde es von der Besatzung annektiert und diente in den Jahren der Wohnungsnot Flüchtlingsfamilien als Bleibe.

Der Eigentümer war Vorstandsmitglied des DAV (Deutscher Alpenverein), Sektion Lüdenscheid. Ab 1958 verpachte er sein Wochenendhaus den Alpenfreunden als Vereinsdomizil. Nach einem Umbau zur Gruppenhütte mit vier Betten, 12 Matratzenlagern, Toiletten, Küche und einem gemütlichen Aufenthaltsraum mit Kamin diente das Haus im Wald zwölf Jahre lang dem DAV als Ort des Vereinslebens und beherbergte in dieser Zeit auch viele Gäste von außerhalb.

Anfang der 1960er gab der Lüdenscheider Verlag Herkenrath eine Ansichtskarte vom Sterl heraus. Auf der Karte ist rechts das heute verschwundene Haus zu sehen. Am Haus links, der DAV-Hütte, weht die Vereinsfahre am Mast.