Georoute Ebbegebirge: Enthüllung der ersten Informationstafel am Museumsbahnhof Hüinghausen

In den vergangenen Wochen waren am Museumsbahnhof Hüinghausen Bagger und Räumfahrzeuge des Bauhofs der Gemeinde Herscheid unterwegs, um die gegenüber dem Bahnhofsgebäude im Böschungsanschnitt verborgenen Gesteinsschichten über eine Länge von 150 Metern und eine Höhe von 3 Metern freizulegen. In Zusammenarbeit mit den Hamburger Geologen Prof. Dr. Martin Wiesner und Dr. Kay Heyckendorf wurde damit ein wissenschaftlich bedeutender geologischer Aufschluss mit seinen einzigartigen Fossilien wieder zugänglich gemacht.

Die Gesteine stammen aus dem Übergang zwischen Silur und Devon, also aus einer Zeit vor etwa 420 Millionen Jahren.

Die beiden Geologen, die schon seit mehr als 40 Jahren immer wieder aus dem hohen Norden ins Ebbegebirge reisen, erklären die Besonderheiten der Funde:

Außergewöhnlich sei eine hier vorkommende Gruppe ausgestorbener Meeresbewohner, die Scyphocrinoiden („Becherlilien“). Diese zu den Seelilien gehörende Tierfamilie ist dadurch gekennzeichnet, dass sich an ihrem Stielende ein kugelförmiges Organ befindet, das als gasgefüllte Treibboje gedeutet wurde, an der sie „kopfüber“ im lichtdurchfluteten Oberflächenwasser hängend im Meer drifteten. Vertreten wird auch die Auffassung, dass das Organ als ein auf dem Meeresboden liegender Schleppanker wirkte und das Tier dadurch Verlagerungen auf dem Sediment durch heftige Stürme intakt überstehen konnte. "Ob schwebend oder auf dem Boden verankert, mit bis zu drei Meter langen Stielen gehören die Becherlilien zu den beeindruckendsten Organismen des damaligen Zeitalters", erklärte Prof. Dr. Martin Wiesner den Anwesenden. Deren Vorkommen am Bahnhof Hüinghausen zähle zu den ältesten Seelilienfunden im Rheinischen Schiefergebirge.

Vor einigen Tagen wurde nun am Bahnhofgebäude im Beisein von Bürgermeister  Uwe Schmalenbach, Bauamtsleiter Lothar Weber und Bauhofleiter Thomas Deitmerg eine Informationstafel enthüllt. Bürgermeister Uwe Schmalenbach freute sich über den Besuch der Geologen und dankte ihnen für ihre jahrzehntelange und mühevolle Arbeit. Außerdem sprachen die Initiatoren der Märkischen Museumseisenbahn ihren Dank aus, da sie ihr Gelände für die erste Georouten-Station zur Verfügung stellen. Mit direktem Blick auf die sichtbaren Gesteine können die Besucher hier Einzelheiten über die Entstehung, das Alter und den Fossilinhalt des geologischen Aufschlusses  erfahren. Über einen auf der Tafel angebrachten QR-Code lassen sich weitere Informationen – hinterlegt auf der Website der Gemeinde Herscheid – abrufen. Die Tafel steht am Anfang der Schaffung einer Georoute durch das Ebbegebirge mit weiteren geologischen Aufschlüssen. Weitere Tafeln an mehreren Fundorten sollen zukünftig nach und nach aufgestellt werden.

Weiter Informationen zur ersten Station gibt es hier.