Die Fichte ist Geschichte – wie sieht der Gemeindewald der Zukunft aus?

Etwa 60 Hektar des Herscheider Waldes ist im Besitz Gemeinde. Rund 14 Hektar davon mussten auf Grund der Borkenkäferkalamität in den vergangenen Monaten eingeschlagen werden. Klaus Kermes, zuständiger Forstamtmann des Regionalforstamtes Märkisches Sauerland, drückte es passend aus: „Die Fichte ist Geschichte, deshalb ist jetzt die Frage: Wie geht es weiter?“

Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, trafen sich die Mitglieder des Hauptausschusses am Donnerstag, 7. Oktober, zu einer Waldbegehung mit Klaus Kermes und Forstamtsleiter Jörn Hevendehl. Mit dabei waren auch Bürgermeister Uwe Schmalenbach, Kämmerin Sabine Plate-Ernst, Klimaschutzmanager Simon Mai und Bauamtsleiter Lothar Weber.

An der ersten Station, unweit der Schutzhütte auf der Nümmert, ergriff Klaus Kermes das Wort. Zwischen den riesigen Holzstapeln stehend beschrieb er die aktuelle Situation und stellte gleich zu Beginn klar, dass es für den „Wald der Zukunft“ nicht die eine perfekte Lösung geben werde. „Die Wetterextreme nehmen zu, wir wissen also nicht, wo die Reise hingeht“, stellte er klar. Es gebe deshalb keinen „Wunderbaum“, der allen Wetterextremen standhalten könne, gleichzeitig schnell wachsen würde und auch in vielen Jahren noch gesund sei. Außerdem müsse man die verschiedenen Flächen individuell betrachten, denn: nicht jeder Baum ist für jeden Standort gleich gut geeignet.

Laut geltendem Landesforstgesetz müssen die Wälder binnen der kommenden zwei bis drei Jahre wieder bestockt werden. Eine aktive Aufforstung bedeutet hohe Kosten für die Gemeinde, eine passive Aufforstung – also die Flächen der Natur zu überlassen und auf die natürliche Aussaat der Arten zu warten - sei zwar auf den ersten Blick günstiger, dafür aber mit anderen Risiken und Nachteilen verbunden. „Das dauert etwa zehn bis 15 Jahre, bis wir abschätzen können, ob die Bäume den Klimabedingungen standhalten können“, erklärt Kermes dazu. Außerdem habe man ein zweites Problem: Das heimische Wild, dass sich gern an den Jungbäumen zu schaffen mache. Entweder muss also erheblich mehr gejagt werden oder es müssen Zäune errichtet werden, die ebenfalls hohe Kosten zur Folge hätten.

Das Ziel müsse Folgendes sein: Es ginge weniger darum, schnell aufzuforsten, sondern eher darum, im Jahr 2100 möglichst viele gesunde Bäume im Bestand zu haben.

„Deshalb ist es aus unserer Sicht sinnvoll, einen Mix aus aktiver und passiver Aufforstung in Betracht zu ziehen“, erklärte Jörn Hevendehl. In Frage kämen dafür auch ausländische Bäume, die anderen klimatischen Bedingungen gewachsen seien. Außerdem sei es sinnvoll, den Hegering und die Jagdgenossenschaft mit in die Planungen zu involvieren, denn „Jagddruck hilft, damit die Bestände vernünftig wachsen können“, ergänzt Hevendehl.

Aktive Aufforstung sei jedoch mit Kosten verbunden. Die Forst-Experten schätzen die Kosten auf etwa 7000 bis 8000 Euro pro Hektar, auf die aufzustockenden Gemeindewaldfläche umgerechnet (ca. 14 Hektar) nicht wenig Geld, das in die Hand genommen werden muss. Aber auch dafür hatten Kermes und Hevendehl einen Lösungsvorschlag, der an der zweiten Station erklärt wurde.

Nach einer kurzen Fahrt stoppte die Gruppe in der Nähe der Ortschaft Vogelsang. Zwei vorbeiziehende Reiter kamen Fortamtsleiter Jörn Hevendehl gerade zur rechten Zeit: „Wie Sie sehen, ist der Wald die größte Sportstätte für die Bürger“, ergriff er das Wort. Durch das Waldsterben sei nämlich nicht nur die Gemeinde als Besitzer der Flächen betroffen, sondern auch die Gesamtbevölkerung. Da ein intakter Wald nicht nur ein Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere biete, sondern auch für die Co2-Bindung von wichtigem Nutzen sei, müsse es auch im Interesse der Bürger sein, den Wald zu erhalten und die kahlen Flächen wiederherzustellen. Eine Art „virtuelles Kassenhäuschen“ könnte somit dienen, auch die Bevölkerung bei der Wiederaufforstung mit ins Boot zu holen, denn schließlich nutze nahezu jeder den Wald.

Er warf das Beispiel eines Sponsorings in den Raum, durch das die Gemeindekasse entlastet werden könnte: Unternehmen oder auch einzelne Bürger könnten sich in einer Art Patenschaft finanziell an der Aufforstung beteiligen. In der Waldstadt Iserlohn sei dieses Modell der Aufforstung schon sehr erfolgreich im Gange. „Die Herscheider Unternehmen spenden doch lieber für ihren Wald und leisten damit einen wertvollen Beitrag für die heimische Natur, als ihr Geld in einen Iserlohner Wald zu stecken“, erklärte Hevendehl, dass er sich gut vorstellen könne, dass das Angebot auf Gegenliebe stoßen könne.

Eine wichtige Komponente dürfe ebenfalls nicht außer Acht gelassen werden: Der Wald in seiner Funktion als Rohstofflieferant. Auch deshalb sei es von Vorteil, verschiedene Arten zu pflanzen und nach und nach punktuell zu ernten. „Dafür gibt es mittlerweile spezielle Fahrzeuge, die ganz gezielt Bäume herausziehen können, die dann weiterverarbeitet werden können. Somit bleibt ein Teil für die Natur übrig und ein zweiter Teil ist für die Rohstoffgewinnung“, erklärt Hevendehl.

Zum Abschluss der etwas anderen Sitzung des Hauptausschusses traf man sich noch einmal im Bürgersaal zu einer abschließenden Gesprächsrunde. Bürgermeister Uwe Schmalenbach bedankte sich zuvor noch einmal ausdrücklich bei Klaus Kermes für die gute Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren. Der Forstamtmann wird in wenigen Wochen seinen Ruhestand antreten und arbeitet in den kommenden Wochen seinen Nachfolger ein. Eine offizielle Verabschiedung findet Ende Oktober statt.