Backhaus in Waldmin - Erinnerungen an alte Zeiten

Es ist Samstag. Backtag in der Gemeinde. Einige Frauen treffen sich am Backhaus in Waldmin mit ihrem fertigen Teig. Es wird ausgelost, wer wann sein Brot backen darf. Die anderen Frauen warten dann rund ums Backhaus, tauschen sich aus und erzählen sich die Neuigkeiten aus dem Ebbegebirge. Ein munteres und heiteres Aufeinandertreffen und die einzige Möglichkeit, mal mit den Herscheidern aus den anderen Ortsteilen zusammenzukommen und zu quatschen.

Solch eine Szene ist in der heutigen Zeit, in der man sein Brot im Supermarkt oder beim Bäcker kauft, schwer vorzustellen. Damals, Anfang des 19. Jahrhundert, war es ganz normal, sein Brot in einem Gemeindebackhaus (auch „Backes“ genannt) zu backen. Eines davon hat bis heute „überlebt“, ist schätzungsweise mehr als 200 Jahre alt und steht immer noch auf einem Privatgrundstück im Ortsteil Waldmin.

Die wenigsten Herscheider dürften dieses Denkmal kennen und beim Anschauen auch wissen, um was es sich bei diesem wertvollen Gebäude handelt. Ob dort wirklich in der Zeit um 1800 die Frauen zusammenkamen und backten, ist nicht wirklich bekannt.

Einer, der sehr gute Erinnerungen an den „Backes“ hat, ist Egbert Schmidt, der auf dem Grundstück in Waldmin aufgewachsen ist. Sein Uropa, Gustav Schmidt, war damals Grundstückseigentümer. „Unsere Familie hat dort bis etwa 1960/1961 das Brot selber gebacken. Das sind schöner Erinnerungen“, erzählt der Herscheider, der bis 2001 in Waldmin lebte und dann in die Ortsmitte umzog. Irgendwann habe es aber kein selbstgebackenes Brot mehr in der Familie gegeben. „Die ältere Generation konnte die doch sehr harten Krusten nicht mehr wirklich kauen“, erinnert sich Egbert Schmidt an die Zeiten, als das Selberbacken weniger wurde. Dennoch wurden später noch private Feierlichkeiten am „Backes“ veranstaltet, wie beispielsweise der ein oder andere Geburtstag oder ein Spanferkel-Garen.

Der „Backes“ in Waldmin wurde 1984 durch den Landschaftsverband Westfalen-Lippe unter Denkmalschutz gestellt. Das Backhaus besteht nicht nur aus dem eigentlichen Backhaus mit dem darin erhaltenen Ofen, sondern auch einem Spieker, der in späteren Jahren für die Unterstellung von Fahrzeugen und landwirtschaftlichen Maschinen genutzt wurde.

„Der Ursprung gemeinschaftlich genutzter Backhäuser liegt im Dunkeln; wahrscheinlich gab es sie bereits in der Antike. Im mittelalterlichen Europa sind sie im 14. Jahrhundert nachgewiesen; ihre flächendeckende Verbreitung begann jedoch erst im 17. Jahrhundert, als in mehreren Territorien des Heiligen Römischen Reiches Hausbacköfen wegen der Brandgefahr und des höheren Holzverbrauchs hoheitlich untersagt wurden. In ländlichen Regionen waren Backhäuser bis in die 1960er Jahre verbreitet; in größeren Orten mit eigenen Bäckern wurden viele zuvor und auch noch später abgerissen“, so heißt es auf Wikipedia dazu.

Dieses alte Backhaus in Waldmin ist das einzige seiner Art im Gemeindegebiet, weshalb sich die Gemeinde dafür entschied, es unter Denkmalschutz stellen zu lassen. Es soll einen anschaulichen Eindruck von den Lebensgewohnheiten und Entwicklungen der Menschen dieser Zeit vermitteln.

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